Die Grenzbepflanzung ist ein heikles Thema, das nicht selten zum Streit zwischen Nachbarn führt. Was erlaubt ist und was nicht, ist hierzulande im Nachbarrecht geregelt.

Das Nachbarrecht

In Deutschland ist die Grenzbepflanzung nicht einheitlich geregelt, sondern Ländersache. Jedes Bundesland hat somit sein eigenes Nachbarrecht, in dem unter anderem die Abstände zur Grundstücksgrenze und die maximale zulässige Höhe geregelt sind.

Abstände einhalten

Das Nachbarschaftsrecht bildet nur einen kleinen Teil des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB). Mit einigen Ausnahmen haben die Bundesländer zusätzlich dazu ein eigenes Nachbarrechtsgesetz.

Es gibt Bundesländer, in denen ganz genau festgeschrieben ist, welchen Abstand welche Art von Baum oder Pflanze von der Grundstücksgrenze haben muss. Zu diesen Bundesländern zählen Berlin, Hesse, Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen, Thüringen und das Saarland.

In Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Bayern, Brandenburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt spielt die Pflanzenhöhe eine entscheidende Rolle. Hier gilt im Allgemeinen: Je näher sich eine Pflanze an der Grundstücksgrenze befindet, desto niedriger muss die Pflanze sein.

Währenddesen richten sich Mecklenburg-Vorpommern, Hamburg und Bremen nur nach dem Nachbarschaftsrecht des BGB, da sie kein eigenes Nachbarrechtsgesetz haben.

Anspruch auf Rückschnitt

Wenn jemand sich nicht an den gesetzlich vorgeschriebenen Grenzabstand hält, dann hat der Nachbar das Recht zu fordern, dass die jeweilige Bepflanzung, sei es ein Baum, ein Strauch oder eine Hecke, ausreichend zurückgeschnitten wird, damit die zulässige Höhe eingehalten wird. Wichtig ist es aber dabei zu beachten, dass die Person, die sich dadurch gestört fühlt, den Rückschnitt des Gehölzes nicht einfach eigenhändig durchführen darf.

Verjährung

Wenn Sie sich durch die Grenzbepflanzung Ihres Nachbarn gestört fühlen, dann ist es ratsam nicht zu viel Zeit vergehen zu lassen, bevor Sie sich beschweren. Dies hat einen bestimmten Grund: Der Anspruch auf Beseitigung verjährt nämlich in der Mehrzahl der Bundesländer. Wann genau die Verjährung erfolgt, ist von Bundesland zu Bundesland verschieden und die Fristen liegen zwischen zwei und sechs Jahren. Auch eine einheitliche Regelung bezüglich des Zeitpunkts des Fristbeginns ist nicht gegeben. In manchen Bundesländern ist dabei ausschlaggebend, wann die Pflanze eingepflanzt wurde und in anderen beginnt die Frist erst dann, wenn die maximal zugelassene Höhe überschritten wird. Allgemein gilt jedoch, dass ein Baum oder Strauch nach Fristablauf Bestandsrecht hat, wodurch dieser dann so hingenommen werden muss.

Hinweis: Eine Verjährung des Anspruchs auf Beseitigung bedeutet, dass dieser Anspruch verjährt bleibt. Auch ein Einzug neuer Nachbarn ändert daran nichts. Wenn allerdings die Pflanzen gewechselt werden, dann ist es erforderlich, den Mindestabstand einzuhalten.

Was tun bei überhängenden Zweigen?

Im Allgemeinen ist es gestattet, Büsche und Blumen direkt am Gartenzaun zu pflanzen, sofern diese nicht sehr hoch sind. Dabei sollte jedoch vermieden werden, dass Zweige oder Blätter auf das Grundstück des Nachbars ragen. Für den Fall, dass Zweige vom Nachbarbaum auf Ihr Grundstück hängen, haben Sie die Möglichkeit Ihren Nachbarn aufzufordern den Überhang abzuschneiden. Im  Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) wird in § 910 festgelegt, dass der Nachbar dafür eine angemessene Frist erhalten muss. Sollte diese Frist verstreichen, ohne dass sich Ihr Nachbar um die Beseitigung gekümmert hat, dann können Sie den Überhang selber abschneiden. Jedoch müssen Sie dabei sehr vorsichtig sein, denn wenn Sie zu viel kappen, dann kann Ihr Nachbar eventuell Schadensersatz geltend machen. Dies gilt auch, wenn Sie Ihrem Nachbarn keine angemessene Frist einräumen, sondern die überhängenden Äste voreilig selber abschneiden. Sprechen Sie mit Ihrem Nachbarn und lassen Sie ihm genügend Zeit, um Ihrer Forderung zu entsprechen.

Fazit

Da die gestattete Grenzbepflanzung von Bundesland zu Bundesland verschieden ist, sollten Sie bevor Sie einen Baum, eine Hecke oder einen Strauch pflanzen zur Sicherheit einen Blick in das jeweilige Nachbarrecht werfen und sich von einem Experten beraten lassen. Wenn Ihr Nachbar gegen das Nachbarrecht verstößt und Sie sich dadurch gestört fühlen, dann weisen Sie Ihren Nachbarn darauf hin und räumen Sie ihm genügend Zeit ein, um entsprechend zu handeln. Auch hier gilt natürlich: Gegenseitige Rücksichtnahme erleichtert das nachbarschaftliche Zusammenleben und vermeidet Probleme oder sogar ein Gerichtsverfahren.

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