Lange Zeit vergaben Banken Immobilienkredite nach Gutdünken – selbst wenn Antragsteller nicht kreditwürdig waren. Die Richtlinie 2014/17/EU „Wohnimmobilienkreditverträge für Verbraucher“ der Europäischen Union, soll dem nun ein Ende setzen und Banken beim Thema Verbraucherschutz in die Pflicht nehmen. Deutsche Banken müssen die Vorgaben der neuen Richtlinie zur Kreditvergabe bis zum 21. März 2016 umsetzen. Ziel dieser Änderungen ist vorrangig der Schutz von Verbrauchern vor Fehlinvestitionen, Verschuldung und schlechter Beratung.

Hierzu werden Banken explizit dazu verpflichtet, vor Vertragsabschluss die Kreditwürdigkeit des Antragstellers zu prüfen, indem festgestellt wird, ob der Darlehensnehmer allen Verpflichtungen, die sich aus dem Darlehensvertrag ergeben, nachkommen kann. Hierzu reicht es nicht mehr nur aus, dass der Grundstückswert den Kreditbetrag übersteigt, sondern die Bank muss nachvollziehbare Bewertungskriterien aufstellen. Kommt sie dieser Pflicht nicht ordnungsgemäß nach, bestehen ein außerordentliches Kündigungsrecht für den Kreditnehmer sowie der Anspruch auf einen ermäßigten Zinssatz.

Darüber hinaus werden Koppelgeschäfte untersagt, die als Bedingung für den Abschluss des Kreditvertrages aufgestellt werden. Ausgenommen wurden jedoch beispielsweise

  • Tilgungsderivate,
  • Bausparverträge und

andere Finanzprodukte, die der Bank und dem Darlehnsnehmer als finanzielle Sicherheit dienen.

Um eine umfassende Beratung von Antragstellern zu gewährleisten, müssen Kreditvermittler künftig über einen entsprechenden Sachkundenachweis verfügen. Dieser kann z.B. bei der IHK erworben werden und ist für alle Berater verpflichtend, die vor dem März 2011 bereits als Kreditvermittler tätig waren. Wer dieser Tätigkeit freiberuflich nachgeht, muss zudem noch eine Haftpflichtversicherung abschließen.

Derzeit berät das Kabinett noch über den genauen Gesetzesentwurf, doch dieser soll noch vor der Sommerpause beschlossen werden.

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