Bald ist wieder Herbst und die Bäume werden uns mit ihrer schönen Farbpracht erfreuen. Allerdings ist es auch die Jahreszeit, in der sich eine Menge Laub auf dem Boden ansammelt, das zusammengekehrt und entsorgt werden muss. Wenn es sich dabei um Laub von einem im Nachbargrundstück stehenden Baum handelt, stellt sich die Frage, ob man sich selber um die Entsorgung kümmern muss oder ob dies vom Nachbarn eingefordert werden kann. Im heutigen Ratgeber erfahren Sie mehr dazu.

Das Problem

Blätter, Nadeln, Blüten, Samen und Äste können von den Bäumen des benachbarten Grundstücks auf das eigene Grundstück fallen und den Garten, Balkon oder die Terrasse verschmutzen. Die herabfallenden Blätter führen auch häufig dazu, dass die Dachrinnen und Abflussrohre verstopft werden und gereinigt werden müssen, was recht aufwendig ist. Da die Entsorgung mit Aufwand und Kosten verbunden ist, führt Laubfall nicht selten zu Streitigkeiten zwischen Nachbarn.

Einhaltung von Grenzabständen

In erster Linie muss die Einhaltung von Grenzabständen gewährleistet sein. In den sogenannten Nachbarschaftsgesetzen sind die gültigen Grenzabstände zur Bepflanzung von Bäumen, Sträuchern und Hecken verbindlich geregelt. Diese unterscheiden sich von Bundesland zu Bundesland, daher sollten Sie sich am Besten bei Ihrer zuständigen Gemeindeverwaltung erkundigen, welche Vorschriften Sie beachten müssen. Sofern dieser gesetzlich festgeschriebene Grenzabstand eingehalten wurde, so muss herabfallendes Laub generell hingenommen werden.

Ortsüblicher Laubfall

Entspricht die Laubbaum-Bepflanzung dem Charakter der Gegend, so müssen Eigentümer und Mieter herabfallendes Laub und Nadeln aus dem benachbarten Garten generell in Kauf nehmen, ebenso ein hier und da erfolgender Astabwurf. Im Rahmen des Gesetzes wird ein solcher Laubfall als ortsüblich betrachtet, der mit dem Wohnen in einer grünen Umgebung einhergeht. Wer also in einer grünen Wohngegend mit Baumbestand lebt, der muss den Laubfall und Nadelabwurf in der Regel dulden, auch dann, wenn dieser beeinträchtigend wirkt.

Laubrente

Eine Ausnahme wäre es jedoch, wenn diese Beeinträchtigung als extrem angesehen werden kann. Dafür muss die Beeinträchtigung allerdings erheblich über das übliche und zumutbare Maß hinausgehen. Dabei wird eine 3-4 Mal jährlich stattfindende Reinigung der Dachrinnen in der Regel durchaus noch als zumutbar angesehen. Erst wenn das Laub in derart großen Mengen auf das Grundstück fällt, dass die Regenrinnen ständig verstopft werden und dadurch hohe Reinigungskosten entstehen, kann unter Umständen eine Laubrente vom Nachbarn eingefordert werden.

Bei der Laubrente handelt es sich um einen jährlichen Geldbetrag, der vom Eigentümer des Grundstücks, von dem das fallende Laub ausgeht, an den Betroffenen gezahlt wird. Die Höhe dieser Laubrente richtet sich nach dem Geldbetrag, den der Betroffene für den erhöhten Reinigungsaufwand zahlen muss.

Achtung: Die Blätter wieder auf das Grundstück des Nachbarn zu werfen, von dessen Bäumen die Blätter stammen, ist nicht gestattet. Im Gegensatz zum natürlichen Laubfall würde es sich dabei nämlich um eine vorsätzliche eigenmächtige Tat handeln. Eine solche Tat hätte zur Folge, dass die Rechte des Nachbarn als Grundstückseigentümer verletzt würden, und ist somit verboten.

Fazit

Im Allgemeinen müssen sich Grundstücksinhaber nur um die Entsorgung des Laubes kümmern, das auf ihrem Grundstück landet. Das bedeutet, dass sie auch für das Laub verantwortlich sind, dass von den Bäumen des Nachbarn auf ihr Grundstück fällt. Im Umkehrschluss heißt das aber auch, dass Ihr Nachbar grundsätzlich nicht von Ihnen verlangen kann, das Sie das Laub entsorgen, das von Ihren Bäumen auf sein Grundstück fällt. Dies gilt in der Regel immer dann, wenn die gesetzlichen Grenzabstände eingehalten wurden und der Laubfall als ortsüblich angesehen wird. Um etwaige Eskalation zu vermeiden, ist eine gegenseitige Rücksichtnahme ratsam.

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