In Deutschland gibt es über 3.000 Normen, die hierzulande beim Bauen berücksichtigt werden müssen. Die Immobilien- und Bauwirtschaft sieht darin einen Hauptgrund für die enormen Projektkosten. Im Versuch diese Kosten einzudämmen, sollen die Normen, die das Bauwesen betreffen, systematisch auf Ausgaben und Nutzen geprüft werden, bevor diese verabschiedet werden. Diese Aufgabe soll nun ein neues Gremium im Bundesbauministerium übernehmen.

Das neue Prüfgremium, das vom Ministerium „Zentrale unabhängige Stelle“ genannt wird, muss noch eingerichtet werden. Insbesondere soll es die Normen und Standards ermitteln, die für den Wohnungsbau von Bedeutung sind. Geplant ist, dass die Stelle noch in diesem Jahr mit der Arbeit beginnt. Dabei sollen sowohl nationale als auch europäische Normen und technische Regeln bereits in deren Entstehungsphase genau geprüft werden. Dadurch soll eine Flut an Regeln verhindert werden. Im Rahmen dessen werden die Regeln diverser Organisationen infrage gestellt. Darunter fallen auch die Vorgaben von DIN, VDI, VDE sowie DKE. Berücksichtigt werden dabei alle Normen, die für die Planung, Bemessung, Ausführung und Anwendung am Bau relevant sind.

Für die Einrichtung der Stelle wurde eine Machbarkeitsstudie durchgeführt, die nun seit Januar vorliegt. An der Studie beteiligten sich Experten aus Ländern und Kommunen. Die Stelle soll sowohl Kommunikation und Information als auch fachliche Beratung leisten, und zwar beispielsweise durch ein Internetportal.

Die Ausschüsse sorgen für die künftige Richtung der gesetzesähnlichen Vorgaben. Für den Bereich Bau liegt die Zuständigkeit beim Normungsausschuss Bauwesen. Es gibt kritische Stimmen über den hohen Anteil an Industrievertretern in den Gremien. Im Verhältnis dazu ist die Immobilien- und Bauwirtschaft zu wenig vertreten. Im Präsidium, dem obersten Gremium des DIN-Instituts, sitzt seit Anfang dieses Jahres mit Dirk Salewski vom GdW zum ersten Mal ein Vertreter der Immobilienbranche.

DIN-Standards werden über das Bauordnungsrecht der Länder als Stand der Technik bindend, wodurch jeder Bauherr auf die Einhaltung der Vorgaben achten muss. Die Folgekostenabschätzung der Normen ist Teil des Forderungskatalogs der Baukostensenkungskommission. Die Bundesregierung hatte im Februar ihre Absicht bekannt gegeben, die Analyse in das Normungsverfahren einzugliedern.

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