Das US-Unternehmen Airbnb steht in der Kritik, Wohnraum zu verknappen und die Mieten zu treiben. Mit einer vom Berliner Institut empirica durchgeführten Studie versucht Airbnb nun gegen ihr negatives Image vorzugehen. Im Rahmen der Studie hat das Vermittlungsportal nun erstmalig genaue Vermietungszahlen veröffentlicht. Von den deutschen Metropolen wird bemängelt, dass Airbnb sich negativ auf den angespannten Wohnungsmarkt auswirkt, was jedoch durch die empirica-Studie widerlegt wird.

Während Airbnb nach eigenen Angaben in Dortmund derzeit lediglich 185 komplette Wohnungen vermietet, sind es in München 6.016 und in Berlin bereits 13.045. Des Weiteren werden in diesen Städten zusätzlich zu den kompletten Wohnungen noch ca. dieselbe Anzahl einzelner Gästezimmer vermietet. Frankfurt wird in der Statistik nicht aufgeführt. Alles in allem werden in Deutschland nach Schätzungen rund 150.000 Immobilien über die Vermittlungsplattform angeboten.

Die Studie von empirica habe ergeben, dass es keinen ersichtlichen Zusammenhang zwischen der Erhöhung der Mietpreise und der Entwicklung der auf dem Markt angebotenen Unterkünfte gibt.

Airbnb ist in Deutschland seit 2010 tätig, allerdings sind die Mietpreise in München, Berlin und Hamburg schon vor dieser Zeit gestiegen. Durch die seit 2014 und 2015 starke Steigerung der Unterkünfte, die auf Airbnb angeboten werden, hätten die Städte nach Angaben von empirica eine größere Mieterhöhung verzeichnen müssen. Der Anstieg der Mieten sei jedoch zwischen 2007 und 2018 linear verlaufen.

Wohnungen werden nur kurzzeitig vermietet

Laut der Studie ist es nur sehr bedingt ersichtlich, dass Vermietungen durch Airbnb zu einer Reduzierung von Wohnraum führen. Von rechnerisch 114.799 Wohnungen betragen die über Airbnb vermieteten Wohnungen in Berlin lediglich 2,3 % des Fehlbestands, der im Zeitraum zwischen 2007 und 2017 aufgrund eines erhöhten Zuzugs zugenommen habe. Von den über die Plattform angebotenen kompletten Wohnungen werden in Berlin 55 % und in München 64 % pro Jahr unter 30 Tagen vermietet. In der deutschen Hauptstadt wurden lediglich 11 % der über Airbnb vermieteten Wohnungen länger als sechs Monate vermietet. Das entspricht 1.668 Wohnungen. Währenddessen sind es in München und Hamburg nur je 357 Wohnungen.

Wohnung muss jährlich 137 Tage vermietet werden, um lohnenswert zu sein

Im Durchschnitt liege der Mietpreis einer Berliner Airbnb-Wohnung bei 83 Euro pro Tag, so die Berechnungen der Studie. Damit das Vermietungsgeschäft einen finanziellen Anreiz biete, müsse die Wohnung pro Jahr 137 Tage vermietet werden. Die aktuellen Zahlen ergeben, dass dieser rentable Schwellenwert in München von 550 bis 600 Airbnb-Vermietern, in Hamburg von 700 bis 750 und in Berlin von 2.600 Anbietern erreicht werde. Dabei soll es sich laut der empirica-Studie um professionelle Airbnb-Vermieter handeln.

Analyse des Hotelmarktes

Zudem wurde bei der Studie auch der Hotel- und Ferienwohnungsmarkt unter die Lupe genommen. Laut Schätzungen betrug die Zahl der Ferienwohnungen schon im Jahr 2012 allein in Berlin 12.000, die damals allerdings noch nicht bei Airbnb im Angebot standen. Wie viele Berliner Ferienwohnungen derzeit eine Genehmigung haben, sei nicht bekannt, da keine Zahlen dazu vorliegen. Die Studie kommt zu dem Schluss, dass die Problematik der Ferienwohnungen in der deutschen Hauptstadt bereits bestand, noch bevor Airbnb dort existierte. Außerdem ergab die Studie, dass in Berlin laut Berechnungen 6.883 zusätzliche Hotelbetten erforderlich gewesen wären, wenn es keine Airbnb-Unterkünfte gäbe. Das entspricht einer Nutzfläche von 2.458 Wohnungen mit durchschnittlich 70 Quadratmetern.

Hohe Bußgelder

Während Airbnb somit laut dieser Studie keine negativen Auswirkungen auf die Wohnungsmarktsituation hat, haben die Landesregierungen der Großstädte eine andere Sichtweise. Sie sind der Ansicht, dass die Vermittlungsportale wie beispielsweise Airbnb und HomeToGo zu einer Verschärfung der Wohnungsmarktsituation führen. Basierend auf dem Zweckentfremdungsverbot von Wohnraum haben sie daher juristische Schritte gegen Airbnb eingeleitet. Sie fordern, dass Airbnb ihnen umfangreiche Informationen hinsichtlich der vermieteten Wohnungen und den jeweiligen Eigentümern mitteilt, und verlangen, dass eine Genehmigung von der Behörde erforderlich ist. Bis zu 500.000 Euro können als Bußgeld verhängt werden.

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