In Berlin mangelt es an Wohnungen. Spekulanten tragen an dieser Situation ihren Teil dazu bei, denn von den Grundstücken, die eine Baugenehmigung haben, wird beinahe jedes Fünfte weiterverkauft, anstatt es zu bebauen. Die dadurch entstehenden Gewinne sind hoch, denn seit dem Jahr 2012 haben sich die Grundstückspreise versiebenfacht.

Berlin benötigt dringend neue Wohnungen, und während die Baugenehmigungszahlen zwar in den letzten zehn Jahren nach oben geklettert sind, liegt die Zahl der Fertigstellungen jedoch nur bei 54 %. Ein Genehmigungsüberhang von etwa 48.000 Wohnungen besteht seit 2008. Zu diesem Ergebnis kommt das Unternehmen bulwiengesa, das die Analyse durchgeführt hat. Der Auftraggeber dieser Studie ist der BFW-Landesverband Berlin/Brandenburg.

Hoher Preisanstieg führt zu Weiterverkauf von Grundstücken

Der Weiterverkauf von Grundstücken mit Baugenehmigung ist für bis zu einem Fünftel der Genehmigungsüberhänge verantwortlich. Im Vergleich zum Jahr 2012 ist ein Stück Bauland enorm im Wert gestiegen und ist heutzutage siebenmal so hoch wie noch vor sechs Jahren. In beliebten Stadtteilen mit hoher Nachfrage liegen die Quadratmeterpreise für vermarktbare Wohnfläche häufig bei 3.000 Euro oder sogar noch teurer. Der Anstieg der Grundstückspreise führt laut der Studie dazu, dass auch die Mietpreise und die Kaufpreise teurer werden. Gegenüber 2009 haben sich die Investitionskosten in 2017 je Quadratmeter Nutzfläche verdoppelt, und lagen bei 4.300 Euro.

Das Bauland ist knapp, die Planungszeiten zu lang

Nicht nur Spekulationen führen dazu, dass die Bautätigkeit gebremst wird, sondern auch die Tatsache, dass die Verfahren zur Planung und Genehmigung sich im Wohnungsneubau zu sehr hinziehen, dass es immer weniger Bauland gibt und dass die Investitionskosten in die Höhe schnellen. Bei der Durchführung eines Bebauungsplanverfahrens wird zusätzliche Zeit erfordert, um das Bauvorhaben zu realisieren. So erwartet die Studie, dass die Laufzeit von im Jahr 2017 festgesetzten Bebauungsplänen im Durchschnitt zwölf Jahre beträgt.

Die Einwohnerzahlen klettern stetig nach oben, wodurch sich auch die Nachfrage nach Wohnungen erhöht. Um diese Nachfrage decken zu können, sollten bis 2030 jedes Jahr mindestens 19.000 neue Wohnungen geschaffen werden, so die Prognose von bulwiengesa.

Vom Berliner Senat sind jedoch nur 14.000 neue Wohnungen geplant — nicht genug, um die Zugezogenen und die bereits ansässigen Einwohner mit ausreichend Wohnraum zu versorgen. Die derzeitige Leerstandsrate von 1,6 % bedeutet, dass kaum noch Reserven im Bestand zu heben sind. bulwiengesa rechnet damit, dass dramatische Wohnungsengpässe sowie Marktverzerrungen entstehen, sollte die Bautätigkeit sich nicht deutlich erhöhen. Die Politik müsse daher für eine Förderung, Vereinfachung und Beschleunigung des Wohnungsneubaus sorgen.

Ähnliche Beiträge