Nach dem verheerenden Brand im Londoner Grenfell Tower im Juni 2017 war die Brandgefahr durch Fassadendämmung in aller Munde und führte auch hierzulande zu Unsicherheit. In unserem heutigen Ratgeber erfahren Sie Wissenswertes zum Thema Gebäudedämmung.

In Deutschland wird in Wohngebäuden oft der Dämmstoff Polystyrol verbaut und es gab Gerüchte, dass genau dieser Dämmstoff der Auslöser der Londoner Katastrophe war. Allerdings hat sich bei den Untersuchungen herausgestellt, dass dieser Dämmstoff nicht für die Katastrophe verantwortlich war. Polystyrol kam im Grenfell Tower gar nicht zum Einsatz, stattdessen wurde das Dämmmaterial Polyurethan-Hartschaum (PU) verwendet.

Was den Brand im Londoner Hochhaus betrifft, so hatten Experten bereits kurze Zeit nach dem Brand festgestellt, wodurch das Feuer verstärkt wurde. Schuld war eine Wetterschutzverkleidung aus Aluminium, die außen aufgebracht war. Die Hitze des Feuers führte dazu, dass sich die Tragkonstruktion verbog. Die Flammen und der Sauerstoff konnten sich durch die klaffenden Fugen schnell und ungehindert ihren Weg ins Gebäudeinnere bahnen. Der Sauerstoff half dabei, das Feuer zu entfachen.

Lassen Sie sich professionell beraten

Bevor Sie eine Fassadendämmung in Angriff nehmen, ist es empfehlenswert, eine unabhängige Beratung zu suchen, bei der Sie sich sowohl über die Brandschutzvorschriften als auch über die verschiedenen Materialien einen Überblick verschaffen können. Wenn Sie Mitglied in einer Eigentümergemeinschaft sind, dann ist eine Mehrheit erforderlich, um eine neue Fassadendämmung durchführen zu können. 

Welche Punkte sollten beachtet werden?

 

Die Höhe des Hauses

Bei Gebäuden, die zwischen 7 und 22 Meter Höhe aufweisen, ist es in Deutschland Pflicht Dämmsysteme zu verwenden, die schwer entflammbar sind. Wenn die Gebäudehöhe jedoch höher liegt, dann müssen ausschließlich nichtbrennbare Dämmstoffe eingebaut werden. Das kann beispielsweise Glas- oder Steinwolle sein.

Polystyrol

Bei Polystyrol (PS) handelt es sich um einen Thermoplast. Wenn in Gebäuden mit einer maximalen Höhe von 22 Metern ein günstigeres Wärmedämm-Verbundsystem aus Polystyrol zum Einsatz kommen soll, um Kosten einzusparen, dann ist es wichtig ein Dämmsystem auszuwählen, das bauaufsichtlich zugelassen ist. In Deutschland dürfen nur EPS-Dämmplatten verwendet werden, in denen ein Flammschutzmittel enthalten ist. 

Achten Sie auf den Blauen Engel

Da das Flammschutzmittel HBCD aufgrund seines schwer abbaubaren organischen Schadstoffs umweltschädlich ist, hat die EU den Handel und die Verwendung seit 2016 weitgehend untersagt. Es gibt aber ein großes Spektrum an alternativen Materialien, die zur Dämmung verwendet werden können. Ein gutes Indiz dafür, dass Dämmmaterialien als umweltschonend gelten, ist das Umweltzeichen der Blaue Engel.

Vorbeugung von Brandausbreitung

Um die Gefahr einer Brandausbreitung über ein Wärmedämmverbundsystem (WDVS) auf der Fassade einzudämmen, müssen Vorschriften beachtet werden. In Deutschland ist es Pflicht, dass Mehrfamilienhäuser über jede Fensteröffnung einen Sturzschutz vorweisen, der aus Stein- oder Mineralwolle besteht. Als Alternative kann stattdessen auch ein Brandschutzriegel verwendet werden. Hierbei wird nach jeder zweiten Etage über den Fenstern ein Riegel angebracht, der um das Gebäude läuft und aus nichtbrennbaren Dämmmaterialien besteht.

Fassadendämmungen gehören nicht zu den häufigsten Brandverursachern

Bei einem Brand können EPS-Dämmplatten Feuer fangen und durch die hohe Temperatur abtropfen. Ebenso verhält es sich jedoch auch mit Textilien, Möbeln und Bodenbelägen, in denen Kunststoffe enthalten sind und die beim Brennen zu giftigen Rauchgasen führen. Allerdings ist die Gefahr, die von einer brennenden Inneneinrichtung ausgeht, direkter als bei einer brennenden Fassadendämmung. Im Allgemeinen fallen Fassadendämmungen nicht unter die häufigsten Brandursachen, stattdessen ist die Küche der Schauplatz der meisten Brände. Auch Fahrlässigkeit beim Rauchen oder bei der Verwendung von Kerzen sowie Brandstiftung gehören zu den häufigen Brandauslösern.

Fazit

Die Untersuchungen haben gezeigt, dass nicht auf Polystyrol als Dämmmaterial verzichtet werden muss. Die Dämmungen, die für Gebäude verwendet werden, enthalten generell Materialien, die entweder nicht brennbar oder nur schwer entflammbar sind.

Bevor Sie sich jedoch für einen Dämmstoff entscheiden, sollten Sie sich von einer unabhängigen Stelle ausführlich beraten lassen, um sicherzugehen, dass der bestmögliche Brandschutz gewährleistet ist und Brandschutzvorschriften eingehalten werden. Dadurch stellen Sie auch zeitgleich sicher, dass Sie den Wert Ihrer Immobilie erhalten bzw. vergrößern, was auch einen eventuellen späteren Verkauf erleichtern kann.

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