In Deutschland hat die räumliche Trennung bezogen auf die Einkommenshöhe in den letzten Jahren zugenommen. Das bedeutet, dass die Wahrscheinlichkeit größer ist, dass Sozialhilfeempfänger heutzutage vermehrt in Gesellschaft anderer Hartz-IV-Empfänger wohnen, als es im Jahr 2004 der Fall war. Des Weiteren sind die Unterschiede zwischen den verschiedenen Städten groß. Zu diesem Ergebnis kommt das Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung in seinem im Mai 2018 erschienenen Diskussionspapier.

Der Segregationsindex

Die Sozialforscher vom Wissenschaftszentrum Berlin verwenden einen Segregationsindex, um die soziale Segregation in Zahlen zu messen. Darin wird die räumliche Ungleichheit einer Bevölkerungsgruppe demonstriert, verglichen mit dem Durchschnitt der Bevölkerung in einer bestimmten Stadt. Wenn nun in den größten Städten Deutschlands dieser Segregationsindex auf die Wohnstandorte von Harz-IV-Empfängern angewandt wird, so weist das im Osten Deutschlands gelegene Schwerin einen Indexwert von 40 auf und ist somit Spitzenreiter. Die deutsche Stadt, in der am wenigsten Segregation herrscht, ist hingegen Offenbach im Rhein-Main-Gebiet mit einem Indexwert von 10. Bei den sogenannten deutschen A-Städten liegt Berlin in Bezug auf räumliche Segregation vorn und weist einen Segregationswert von 31 auf. Die A-Stadt mit dem geringsten Anteil an Segregation ist München und verzeichnet einen Indexwert von 21.

Große Unterschiede zwischen Ost und West

Im Westen Deutschlands befinden sich ohne Ausnahme die Städte, die die geringste räumliche Segregation aufweisen und deren Indexwerte unter 20 liegen. In Ostdeutschland gibt es dagegen viele Städte, in der die Segregation hoch ist, darunter fallen beispielsweise Erfurt, Potsdam und Rostock. Ein Grund hierfür sei laut der Analyse des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung die große Menge an Plattenbau, die in diesen Städten vorherrschend ist, denn im Vergleich wohnt in dieser Art von Quartieren eine hohe Anzahl an Hartz-IV-Empfängern. Aber auch westdeutsche Städte wie Erlangen und Wolfsburg weisen eine hohe Segregation auf.

Eine Lösung seien laut der Studie Privatschulen

Die Sozialforscher haben zudem herausgefunden, dass die Segregation insbesondere bei armen Haushalten mit kleinen Kindern stark ausgeprägt sei. Demnach übe die Miethöhe keinen starken Einfluss auf die Entwicklung aus. Die Menge an vorhandenen Sozialwohnungen in einem Stadtteil beeinflusse dagegen die Segregation, denn je größer die Zahl der Sozialwohnungen, desto höher die Armutskonzentration.

Gemäß der Studie sollen Privatschulen helfen, die räumliche Segregation einzudämmen. In westdeutschen Städten führen private Grundschulen dazu, dass die Segregation abnehme, denn sozial besser gestellte Familien seien durch die Privatschulen weniger dazu geneigt, aus dem Stadtteil wegzuziehen, in dem sie leben. Das bedeute aber auch, dass die soziale Trennung dann anstatt zwischen den Wohnquartieren vermehrt zwischen öffentlichen und privaten Grundschulen verlaufe.

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