Bei Wohnungseigentumsgemeinschaften besitzt jeder Wohnungseigentümer einen individuellen Anspruch darauf, dass der Verwalter die Beschlüsse der Gemeinschaft durchführt. So hat es der Bundesgerichtshof (BGH) am 15.02.2019 entschieden (Az.: V ZR 71/18).

Hintergrund zum Fall

Der ehemalige Verwalter einer Wohnungseigentümergemeinschaft (WEG) hatte die Jahresabrechnungen für den Zeitraum 2009 bis 2012 falsch erstellt. Im Rahmen einer Eigentümerversammlung Ende 2015 einigten sich die Eigentümer darauf, dass der neue Verwalter im Namen der Gemeinschaft den ehemaligen Verwalter verklagen soll, um ihn dazu zu verpflichten, die fehlerhaften Jahresabrechnungen zu korrigieren. Obwohl der neue Verwalter von einem Anwalt schriftlich aufgefordert wurde, den WEG-Beschluss durchzuführen, kam er dieser Aufforderung nicht nach. Aus diesem Grund entschieden sich einige Eigentümer dazu, den neuen Verwalter zu verklagen, um ihn zur Umsetzung des Beschlusses zu zwingen. Nachdem Klage gegen ihn erhoben wurde, führte der Verwalter dann tatsächlich den Eigentümerbeschluss durch.

Daraufhin erklärten die Eigentümer ihre Klage gegen den ehemaligen Verwalter für erledigt. Dem widersprach allerdings der Verwalter. Er war der Ansicht, dass er gegenüber den WEG-Eigentümern gar nicht verpflichtet gewesen sei, den Beschluss durchzuführen, da vonseiten der Eigentümer kein individueller Anspruch darauf bestehe. Somit landete dieser Fall vor dem Bundesgerichtshof.

Das Urteil: Es besteht ein individueller Anspruch

Der Bundesgerichtshof gab den Eigentümern recht. Die Richter kamen zu dem Schluss, dass jeder individuelle Eigentümer einen persönlichen Anspruch darauf hat, dass die WEG-Beschlüsse vom Verwalter umgesetzt werden. Notfalls können sie diesen Anspruch vor Gericht einklagen.

Somit war es legitim, dass die Eigentümer den Verwalter gerichtlich in Anspruch genommen haben, um den Beschluss umzusetzen.

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