Seit Monaten wabert das Wort „Immobilienblase“ durch die Immobilienwelt, die beschreibt, dass es im schlimmsten Fall auf einem regionalen oder nutzungsspezifischen Teils des Immobilienmarktes zu einer explosionsartigen Überbewertung kommt. Experten befürchten, dass diese Spekulationsblase irgendwann platzt und es zu einem plötzlichen Abfall der Immobilienpreise kommt. Damit es nicht soweit kommt, arbeiteten die EU und die deutsche Bundesregierung an Richtlinien, um eine mögliche Immobilienblase abzufedern oder zu vermeiden – mit weitreichenden Folgen.

Die Wohnimmobilienkredit-Richtlinie der EU im Detail

Bereits im Jahr 2014 wurde die Wohnimmobilienkredit-Richtlinie der EU verabschiedet, um sechs große Ziele zum Schutz der Kreditnehmer umzusetzen:

  1. Verbraucher sollen durch Kreditvermittler mithilfe eines standardisierten Merkblatts der Europäischen Union besser informiert werden. Auch auf Werbematerialien sollen wichtige Details wie
    1. Gesamtkreditbetrag,
    2. effektiver Jahreszins,
    3. Informationen zum Sollzinssatz,
    4. Laufzeit des Kreditvertrages,
    5. Höhe der Raten
    6. und ggf. ein Hinweis zu Schwankungen der Währung sofort ersichtlich sein.
  2. Darüber hinaus muss für den Kreditnehmer ersichtlich sein, in welcher Beziehung der Kreditvermittler und Kreditgeber stehen.
  3. An der Darlehensvergabe beteiligten Personen haben die Auflage, einen Sachkundenachweis zu absolvieren und diesen gegenüber der Aufsichtsbehörde zu erbringen.
  4. Banken werden verpflichtet, künftig vor Vertragsabschluss umfassend die Kreditwürdigkeit des Antragstellers zu prüfen – auch unter der Fragestellung, ob der Darlehensnehmer allen Verpflichtungen, die sich aus dem Kreditvertrag ergeben, auf lange Zeit gesehen gerecht werden kann. Dadurch sollte zum einen vermieden werden, dass Banken nach Lust und Laune Kredite vergeben – auch an Menschen, die nachweislich nicht kreditwürdig sind, zum anderen werden Banken verpflichtet, nachvollziehbare Bewertungskriterien aufzustellen. Sollte dieser Pflicht nicht ordnungsgemäß nachgekommen werden, bestehe ein außerordentliches Kündigungsrecht für den Kreditnehmer sowie der Anspruch auf einen ermäßigten Zinssatz.
  5. Künftig sei es untersagt, die Kreditvergabe mit dem Abschluss von Verträgen über weitere Finanzprodukte (wie z. B. Wertpapiere oder Anleihe-Verträge) zu koppeln. Bauspar-Verträge oder eine Riester-Versicherung seien dagegen zulässig.
  6. Das Widerrufsrecht soll verbraucherfreundlicher gestaltet werden, indem es bis zum Ablauf von einem Jahr und 14 Tagen gilt.

Soweit zu den Regelungen der europäischen Richtlinie. Diese müssen nun von den Mitgliedsstaaten der EU umgesetzt werden.

Das Konzept der deutschen Bundesregierung

Um Katastrophen, wie die Weltfinanzkrise im letzten Jahrzehnt, zu vermeiden, hat die deutsche Bundesregierung die Richtlinie der EU aufgegriffen und die bestehenden Regelungen per Beschluss im März erweitert.

Die Kritik der Experten: Das Regelwerk verschlechtert die Voraussetzungen der Kreditnahme von jungen Familien, Durchschnittsverdienern und Rentnern. Dabei seien das eben oftmals die Menschen, die auf eine Finanzierung durch Banken beim Immobilienkauf oder geplanten Sanierungen angewiesen sind.

Ursache hierfür ist die neue Regelung, dass Kredite nur noch unter der Voraussetzung vergeben werden dürfen, dass der Kreditnehmer seinen Verpflichtungen aus dem abgeschlossenen Kreditvertrag wahrscheinlich auch wirklich nachkommen kann. Dadurch werden nicht nur die Spielräume der Banken eingeschränkt, sondern auch die Möglichkeiten der potenziellen Kreditnehmer.

Hinweis: Dabei ist es egal, ob der Wert der Immobilie, die Höhe der vereinbarten Kreditsumme übersteigt und so im Falle einer Zwangsversteigerung die Höhe der zurückzuzahlenden Kreditsumme gedeckt wäre oder nicht.

So sollen Verbraucher unter allen Umständen vor Überschuldung, wirtschaftlichen Problemen oder sogar dem Verlust des Eigenheims bewahrt werden.

Die neue Zielgruppe für Kredite

Doch wer hat nun noch gute Chancen auf eine Finanzierung? Kurz gesagt: Jene die bei Kreditbeantragung entweder bereits über viel Eigenkapital verfügen oder wenigstens ein hohes Gehalt erhalten.

Ob die deutschen Richtlinien zeitnah noch mal angepasst werden, ist bis dato unbekannt.

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