Diskutiert wurde eine Reform der Grundsteuer schon lange. Nun wurde der von Hessen und Niedersachsen vorgelegte Entwurf zur Grundsteuerreform am Freitag, den 04.11.2011 vom Bundesrat mit großer Mehrheit beschlossen.

Die mehr als ein halbes Jahrhundert alten Einheitswerte werden aktualisiert

Die Grundsteuer gehört zu den ältesten Steuerformen. Dank der Grundsteuer erhalten die Kommunen etwa 13 Milliarden Euro im Jahr, wodurch diese eine wichtige Einnahmequelle darstellt. In ihrer aktuellen Fassung beruht die Berechnung der Grundsteuer allerdings auf veralteten Werten. Die derzeit verwendeten Einheitswerte stammen im Westen aus dem Jahr 1964 und im Osten aus dem Jahr 1935. Seitdem haben sich die Preise auf regionaler und lokaler Ebene unterschiedlich entwickelt und aus diesem Grund kann keine gerechte Verteilung der Steuerlast gewährleistet werden. So kann der aktuelle Einheitswert erheblich vom tatsächlichen Wert des Grundstücks abweichen. Durch die nun beschlossene Grundsteuerreform soll die tatsächliche Wertentwicklung mittels einer Neubewertung berücksichtigt werden.

Was ändert sich?

Die Grundsteuerreform bedeutet, dass etwa 35 Millionen Grundstücke einer neuen Bewertung unterzogen werden, um eine neue Steuergrundlage zu erhalten. Diese neue Bemessungsgrundlage soll dann zukünftig regelmäßig aktualisiert werden und somit stets eine zeitnahe Bewertung erfolgen. Die Reform soll laut den Ländern auf ein einfaches Verfahren beruhen und aufkommensneutral erreicht werden. In diesem Fall bedeutet “aufkommensneutral”, dass die Reform zu keinen Mehr- oder Mindereinnahmen führen soll.
Da Grundstücke nach Jahrzehnten wieder bewertet werden, wird es Verschiebungen bei der Grundsteuer zur Folge haben. Allerdings wird sich die Umstellung zehn Jahre hinziehen, daher ist es zu diesem Zeitpunkt noch nicht möglich abzuschätzen, ob Hauseigentümer und Mieter durch diese Reform höhere oder niedrigere Abgaben zahlen müssen.
Beachten Sie aber, dass die Grundsteuer zu den Nebenkosten gehört, die auf den Mieter umgelegt werden können.

Wie wird die Grundsteuer berechnet?

Die Grundstücke werden in den kommenden Jahren zunächst komplett neu bewertet. Das dreistufige Bewertungsverfahren soll dabei beibehalten werden. Zur Wertermittlung wird der Bodenrichtwert bei unbebauten Grundstücken herangezogen, das ist der regionale Durchschnittsverkaufswert. Bei bebauten Grundstücken kommt außerdem der Gebäudewert hinzu, der sich sowohl aus den aktuellen Baupreisen, der Gebäudeart als auch aus dem Baujahr ergibt. Dieser festgestellte Einheitswert dient als Bemessungsgrundlage für die Grundsteuer. Die Gemeinden dürfen auf den Grundsteuermessbetrag einen Hebesatz anwenden, den Sie selber festlegen können. Obwohl die Einheitswerte gleich sind, kann die Grundsteuerbelastung durch den individuellen Hebesatz aktuell je nach Gemeinde unterschiedlich hoch ausfallen.

Wann treten die Änderungen in Kraft?

Der Stichtag zur Umsetzung der neuen Bewertungsregeln lautet der 1. Januar 2022 und die reformierte Grundsteuer soll dann fünf Jahre später, in 2027, erhoben werden.

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