In Deutschland mangelt es an bezahlbarem Wohnraum, wie eine Analyse herausgefunden hat, so fehlen bundesweit rund 1,9 Millionen Wohnungen. Sowohl Wissenschaftler an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main als auch an der Humboldt-Universität zu Berlin haben im Rahmen dieser Untersuchung entdeckt, dass sich die Wohnungssuche besonders für die Menschen als schwierig gestaltet, die alleine leben. Denn allein für die Gruppe der Alleinlebenden werden 1,4 Millionen Wohneinheiten benötigt, die jeweils eine Wohnfläche unter 45 Quadratmeter aufweisen und deren Kaltmiete pro Quadratmeter 4 oder 5 Euro beträgt.

In Berlin sei der Mangel an bezahlbarem Wohnraum im Vergleich zu den anderen deutschen Großstädten besonders hoch, denn in der Hauptstadt fehlen 310.000 Wohneinheiten. An zweiter Stelle steht Hamburg mit 150.000 fehlenden Wohnungen, danach folgen Köln mit 86.000 und München mit 78.000 Wohnungen.

Was wird als „bezahlbarer” Wohnraum definiert?

Für die Wissenschaftler, die die Studie ausgeführt haben, lautet die Definition von „bezahlbar”, wenn die Warmmiete nicht mehr als 30 Prozent des Nettoeinkommens des jeweiligen Haushalts beträgt. Dies wird dadurch erklärt, dass die Mehrzahl der Haushalte, die von der Versorgungslücke betroffen sind, weniger als 60 Prozent des mittleren Bevölkerungsnettoeinkommens (Armutsgrenze) haben, wodurch Mietausgaben von 30 % des Nettoeinkommens stärker ins Gewicht fielen, als es bei anderen Haushalten der Fall sei.

Die von den Wissenschaftlern ermittelten 1,9 Millionen erforderlichen bezahlbaren Wohnungen basieren unter anderem auch auf den Mikrozensus-Ergebnissen aus dem Jahr 2014. Sie gehen aber davon aus, dass die Zahl der fehlenden Wohnungen höher sei, da seit 2014 ein deutlicher Anstieg der Mietpreise festgestellt wurde und die Zahl zudem auf „faktisch unrealistischen Idealbedingungen” basiere. Die Annahme lautet nämlich, dass an einem festgesetzten Termin alle Haushalte in eine Wohnung ziehen, die in Bezug auf Miethöhe und Größe am ehesten für sie passt.

Soziale Versorgungslücke

Idealbedingungen liegen laut der Studie nicht vor, denn für 6,7 Millionen Einpersonenhaushalten gäbe es lediglich 2,5 unter 45-quadratmetergroße Wohnungen. Dadurch passe der Wohnungsbestand nicht länger zur Bewohnerschaftsstruktur der Großstädte. Dies sei ein bedeutender Grund, warum eine soziale Versorgungslücke bestehe. Zwar entstehen aktuell neue Mikrowohnungen in vielen deutschen Großstädten sowie Universitätsstädten, jedoch übersteigen deren Mieten bei Weitem die 4 bis 5 Euro pro Quadratmeter, die laut den Studienergebnissen eigentlich erforderlich seien. Gefördert wurde die Studie von der Hans-Böckler-Stiftung.

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