Die europäische Wohnimmobilienkreditrichtlinie (kurz: WIKR) macht wieder von sich Reden.

Kurze Vorgeschichte

Die WIKR wurde ins Leben gerufen, um private Bauherren davor zu bewahren, dass sie sich überschulden. Kurze Zeit nachdem diese europäischen Vorschriften im Frühjahr 2016 in deutsches Recht umgewandelt wurden, hagelte es Kritik vonseiten der Banken und Sparkassen. Es kamen weniger Kredite zustande, was laut den Kreditgebern daran lag, dass die WIKR-Regeln zum einen zu streng und zum anderen auch unklar formuliert seien. Die Kreditgeber übten Druck aus und die Regeln wurden reformiert. Infolgedessen ist eine Berücksichtigung von Wertsteigerungen durch Umbau und Renovierung nun wieder erlaubt.

Diesmal dreht sich alles um die Bonitätsprüfung

Aber die Reform der Baukreditvergabe ging den Geldinstituten nicht weit genug. Nun will die Regierung die WIKR-Regeln nochmals vereinfachen. Sowohl in Bezug auf die Anschlussfinanzierungen als auch Umschuldungen soll es Kreditnehmern einfacher gemacht werden. Im Mittelpunkt steht diesmal die Bonitätsprüfung. Wenn die Laufzeit zu Ende geht und Hauseigentümer noch ein Restdarlehen offen haben und daher einen neuen Kreditvertrag benötigen, dann gehört die Bonitätsprüfung gemäß der WIKR-Regeln zur Pflicht der Banken. Wenn allerdings die Prüfung nach zu strikten Maßstäben erfolgt, dann könnte es zur Folge haben, dass kein neuer Kreditvertrag entsteht. Mit den aktuellen Änderungsplänen will die Regierung dem vorbeugen.

Besserer Schutz für Kreditnehmer

Laut den Plänen des zuständigen Bundesjustizministeriums sollen die Kreditgeber bei der Bonitätsprüfung auch sich verändernde Lebensbedingungen in Betracht ziehen. So sollen beispielsweise Nachwuchs, Scheidung, Einkommensverluste und höhere Immobiliennebenkosten allesamt berücksichtigt werden, wenn es darum geht, die Kreditwürdigkeit der Darlehensnehmer zu prüfen. Damit soll verhindert werden, dass eine schwierige private Situation dazu führt, dass der Hauseigentümer sein Heim verliert.

Auch beim Thema Umschuldungen soll es einfacher werden. So sei es laut dem Bundesjustizministerium das Ziel, die Regeln soweit zu lockern, dass Banken den Spielraum erhalten, Darlehensnehmern in Not Zugeständnisse machen zu können.

Die Bitten der Kreditgeber wurden erhört

Die Anschlussfinanzierungen sind ein bedeutender Punkt in Bezug auf Kredite, denn sie machen rund 50 Prozent des Baufinanzierungsgeschäfts aus. Die EU-Kommission signalisierte, dass Möglichkeiten zur Gestaltung der WIKR-Regeln bestehen. Somit erarbeiten das Ministerium, die Banken und Verbraucherverbände momentan die Einzelheiten, um die Vorschriften bezüglich der Anschlussfinanzierungen zu lockern und es wird auch ein Leitfaden zur generellen Prüfung der Bonität entworfen. Das bedeutet, dass die Wünsche der Kreditgeber berücksichtigt werden.

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