Im geplanten Koalitionsvertrag der Großen Koalition wurde ein Ziel von 1,5 Millionen Neubauten vereinbart, die bis 2021 entstehen sollen. Laut einer Prognose des Verbändebündnisses Wohnungsbau werde die Marke von 375.000 neuen Wohnungen pro Jahr allerdings nicht erreicht. Das werde von der Zahl der sinkenden Baugenehmigungen widergespiegelt. Im Vergleich zum vergangenen Jahr sind rund 10 Prozent weniger Wohnungen genehmigt worden, das entspricht einer Reduzierung um 340.000 Objekte.

Das Verbändebündnis setzt sich aus sieben Bau- und Immobilienwirtschaftsorganisationen zusammen und nach deren Angaben herrscht in ganz Deutschland ein Mangel an etwa einer Million Wohnungen. Bundesweit werden pro Jahr 400.000 Wohnungen benötigt, gebaut wurden jedoch im Jahr 2017 nur 300.000, wodurch der Mangel an Wohnraum im Vorjahr nicht abgebaut wurde. Hinzu kam stattdessen eine Zuwanderung von mindestens 450.000 Menschen (netto).

Während die Verbandsmitglieder den Koalitionsvertrag größtenteils befürworten, kritisieren sie, dass die steuerliche Normalabschreibung nicht von 2 % auf 3 % angehoben wurde. Die vereinbarte Sonderabschreibung liegt bei 5 % pro Jahr bis zum Ende des Jahres 2021, was allerdings nicht ausreichend sei.

Es mangelt an Sozialwohnungen

Das Pestel-Institut Hannover sowie die aus Kiel stammende Arbeitsgemeinschaft für zeitgemäßes Bauen hat eine Studie präsentiert, die daran erinnert, dass in Bezug auf Sozialwohnungen eine „gewaltige Versorgungslücke” bestehe. Theoretisch hätten aufgrund ihres geringen Einkommens etwa rund ein Drittel bis zur Hälfte aller gering verdienenden Privathaushalte prinzipiell ein Anrecht auf eine Sozialwohnung. Im ganzen Bundesgebiet betrage der Sozialwohnungsanteil jedoch nur 6 % aller Mietwohnungen. Aus diesem Grund verlangt das Verbändebündnis, dass jeder fünfte Neubau eine mietbare Sozialwohnung sein müsse. Damit der soziale Wohnungsbau nicht ab dem Jahr 2019 nur Ländersache werde, sei es zwingend notwendig, das Grundgesetz zu ändern.

Zusätzliches Bauland vonnöten

Bundesweit fehlt es an Bauland. In den Ballungsräumen seien die Preise für Bauland derart hoch, dass es nicht möglich sei, bezahlbaren Wohnungsbau zu schaffen. Seit dem Jahr 1995 seien die Baulandpreise um etwa 170 % angestiegen, so die Studie. Durchschnittlich betragen bei einem neuen Wohnungsbau die Grundstückskosten etwa ein Fünftel des gesamten Investitionsbetrages. Die Bündnismitglieder mahnen, dass es nur möglich sei, spekulativen Übertreibungen der Preise Einhalt zu gebieten, wenn mehr Bauland geschaffen werde. Das bedeute, dass es Aufgabe der Städte und Gemeinden sei, zusätzliches Bauland auszuweisen. Es sei zudem aber auch notwendig, den Bund stärker in die Pflicht zu nehmen. Seit 2015 habe die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) den Preis lediglich für 13 Grundstücke gesenkt, um Sozialwohnungen zu bauen. Laut dem Bündnis sei eine regelmäßige Überprüfung der Baustandards nötig, um dafür zu sorgen, dass das Bauen bezahlbar bleibe.

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