In Deutschland herrscht vielerorts ein Mangel an Wohnungen. Allerdings gilt dies verstärkt für Großstädte. Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW Köln) hat nun herausgefunden, dass sich auf dem Land ein ganz anderes Bild abzeichnet, denn in den ländlichen Regionen Deutschlands wird zu viel gebaut.

Doppelt so viele Einfamilienhäuser als benötigt

Das IW Köln hat bei seiner Analyse den Baubedarf mit der tatsächlichen Bautätigkeit in Städten und Landkreisen miteinander verglichen. Das Ergebnis zeigt, dass in den Jahren zwischen 2011 und 2015 die Bautätigkeit in den Landkreisen um 20 % höher war als nötig. Bei den Einfamilienhäusern wurde sogar mehr als die doppelte benötigte Anzahl gebaut. Hervorgehoben wird dabei der Landkreis Emsland. 1.000 Wohneinheiten waren von Nöten, allerdings entstanden dort gleich 2.058 Einheiten. Ähnlich sieht es bei 5-Zimmer-Wohnungen und Eigenheimen aus, denn aus dem Bedarf von 301 Einheiten wurden 1.121 Einheiten gebaut.

Zu viele große Wohnungen, nicht genügend Kleinere

Ein weiteres Beispiel ist der Landkreis-Hameln-Pyrmont. Zwischen 2011 und 2015 fehlten dort lediglich zwei große Wohnungen oder Häuser mit mindestens fünf Zimmern. Gebaut wurden jedoch 81, womit gemäß der IW-Köln-Analyse der Bedarf um 3292 % gedeckt wurde.

Der Landkreis Jerichower Land dient als Beispiel für eine weitere Entwicklung, die sich auf dem Land abzeichnet, denn im gleichen Zeitraum (2011 bis 2015) entstanden dort nicht genügend Wohnungen mit zwei, drei und vier Zimmern, während von den benötigten vier Wohnungen mit fünf Zimmern ganze 85 gebaut wurden.

Gründe und Gefahren für das Zuviel

Das IW Köln sieht die Gründe für das Übermaß unter anderem darin, dass das Zinsniveau niedrig ist, wodurch die Immobilien erschwinglicher werden und die ländlichen Regionen eine Fülle an Bauland vorweisen. Eine weitere wichtige Rolle spielt dabei auch das Bemühen der Bürgermeister neue Einwohner zu bekommen, indem sie Bauflächen ausweisen. In diesen Regionen sind die Bevölkerungszahlen auf dem absteigenden Ast und das Institut weist daher darauf hin, dass sich der Leerstand besonders im Dorfkern bemerkbar machen kann, und sendet Warnsignale in Bezug auf die sich erhöhenden Kosten der Infrastruktur als Folge der Zersiedlung. Das Institut sieht die Lösung beispielsweise darin, dass die Kommunen das Ausweisen von neuen Bauflächen entweder stoppen oder dass es wenigstens an den Abbau von Leerstand bzw. Abriss gekoppelt wird und dass der Dorfkern attraktiver gemacht wird.

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