Die von der Großen Koalition beschlossene Einführung des Baukindergeldes birgt das Risiko, dass es besonders von Familien in Anspruch genommen wird, die in Landkreisen wohnen, in denen der Baubedarf entweder nicht sonderlich ausgeprägt ist oder in denen es bereits einen Bauüberhang gibt. Zu diesem Ergebnis kommt eine von der Deutschen Reihenhaus AG in Auftrag gegebene Analyse des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) Köln.

Um zu verhindern, dass Milliardenbeträge fließen, ohne dabei den notwendigen Wohnraum zu beschaffen, habe die Politik die Aufgabe, sicherzustellen, dass dort gebaut wird, wo es am meisten benötigt wird. In Kommunen, in denen die Bevölkerungszahl eher rückläufig ist, wird häufig Bauland ausgewiesen und angeboten, mit dem Ziel, neue Einwohner zu gewinnen. Statt zu einem Zuzug von außerhalb, führe dies stattdessen allerdings in vielen Fällen eher dazu, dass Bürger aus den benachbarten Kommunen hinzuziehen. Der Grund liege darin, dass sie sich ihre Wohnwünsche mit einem Neubau besser erfüllen können als mit Bestandswohnungen. Als Folge könnte eine sinnlose Zersiedelung der Landschaften erfolgen. Ein hoher Baubedarf bestehe stattdessen in den Ballungsräumen. Da es dort jedoch an Bauland mangelt, könne mit dem Baukindergeld keine große Wirkung erzielt werden.

Der IW rechnet mit bis zu 580.000 Anträgen auf Baukindergeld. Dabei wird erwartet, dass das Baukindergeld noch im aktuellen Jahr eingeführt wird und die Kosten bis zum Jahr 2021 mindestens 3,6 Milliarden Euro betragen sollen. Die Anzahl der Menschen, die in 2015 erstmalig eine Wohnung erworben haben, betrug bundesweit 580.000 Haushalte mit 307.000 Kindern. Das Baukindergeld ist für Familien vorgesehen, deren Jahresnettoeinkommen die Grenze von 75.000 Euro mitsamt einem Freibetrag von 15.000 Euro pro Kind nicht überschreitet. In 2015 lag die große Mehrzahl der Wohnimmobilienersterwerber laut IW unterhalb dieser Grenze. Die Bundesregierung geht jedoch von einer geringeren Zahl aus und rechnet damit, dass 200.000 Familien mit etwa 300.000 Kindern das geplante Baukindergeld für sich beanspruchen werden. Die Höhe des Baukindergeldes beträgt pro Jahr und Kind 1.200 Euro über zehn Jahre hinweg.

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