Mit dem sogenannten „Widerrufsjoker“ haben im Jahr 2014 Immobilienbesitzer versucht, ihre alten Darlehensverträge zu widerrufen um von den derzeit günstigen Zinsen profitieren zu können. Dank fehlerhafter Klauseln in Bezug auf den Widerruf ist es teilweise möglich, die Verträge zu lösen.

Die Verbraucherzentrale von Nordrhein-Westfalen war im vergangenen Jahr gut beschäftigt. Mehr als 7.000 Beratungen bezogen sich allein auf den Bereich der Finanzprodukte und hier standen die Darlehensverträge von Immobilienbesitzern im Vordergrund. Wie die Verbraucherzentrale verlauten lässt, können mehr als die Hälfte der Besitzer dank fehlerhafter Klauseln im Bereich des Widerrufsrechts von diesem Gebrauch machen – auch dann noch, wenn die Frist längst abgelaufen ist.

Mit neuer Finanzierungszusage die Entscheidung treffen

Wer laut der Verbraucherzentrale die Möglichkeit hat, von seinem Widerruf Gebrauch zu machen, der sollte dennoch genau überlegen, ob er diesen Kampf gegen die Bank aufnehmen möchte. In den meisten Fällen ist wohl erst einmal damit zu rechnen, dass der Widerruf von der Bank abgelehnt wird. Um gegen die Bank vorzugehen, kann es bis zu einem Prozess kommen.

Wenn der Widerruf angenommen wird, dann muss der bestehende Kredit innerhalb von einer Frist von 30 Tagen abgelöst werden. Daher ist es unbedingt notwendig, dass der Kreditnehmer bereits die Zusage für einen neuen Kredit hat, mit dem die alten Kosten abgelöst werden können. Ist dies nicht der Fall, kann es zu einem Verzug und damit zu einer Vertragsstrafe kommen.

Prüfung durch Anwalt und Verbraucherzentralen

Wer darüber nachdenkt, seinen Vertrag prüfen zu lassen um den Widerrufsjoker ziehen zu können, der sollte die Hilfe von einem Fachanwalt in Anspruch nehmen. Zudem ist es möglich, über die Verbraucherzentrale oder auch über Haus Grund zu gehen. Wer hier Mitglied ist, der kann eine Beratung durch einen Anwalt in Anspruch nehmen, der mit Haus Grund zusammenarbeitet.

Der Widerrufsjoker bezieht sich auf die Verträge, die zwischen den Jahren 2002 bis 2010 geschlossen wurden. Insgesamt rund 10 Millionen Verträge haben die Banken in dieser Zeit verzeichnen können. Mehr als die Hälfte ist von den fehlerhaften Belehrungen betroffen. Die Kanzleien richten sich jetzt schon auf den Ansturm der Vertragsnehmer ein. Mit einem schnellen Check wird erst einmal in wenigen Schritten überprüft, ob der Kreditnehmer zu den Personen gehört, die den Joker ziehen können.

Erste Banken äußern sich

Auch die Banken beginnen damit, ihre Meinung zur Thematik kund zu tun. Die Sparkasse Köln-Bonn beispielsweise äußert sich zu dem Widerrufsjoker in Form eines Kommentars, das sich gegen die Kreditnehmer richtet. Wer diese Möglichkeit in Betracht zieht, um Zinsen zu sparen, lege ein unmoralisches Verhalten an den Tag. Die Mitarbeiter der Banken und Sparkassen sind angehalten, die Kunden von einer Fortführung der Verträge zu überzeugen. Sollte dies nicht funktionieren, wird die Bank den Widerruf in erster Instanz erst einmal ablehnen.

Für die Banken ist ein solcher Widerruf mit hohen Kosten verbunden, da die Vorfälligkeitsentschädigungen der Kunden wegfallen. Kreditnehmer können vom Widerrufsjoker jedoch profitieren und ihre alten und teuren Verträge mit ein wenig Aufwand gegen günstige Kredite eintauschen, die auf lange Sicht hohe Einsparungen dank niedriger Zinsen mit sich bringen.

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